Auszug aus der Rede vom 17. Juni 05
M. Damen und Herren
Soviel Wirbel um ein Toilettenhäuschen – das wird sich sicherlich der eine oder andere fragen?? Ja sogar eine Vielzahl von Ehrengästen, und Medienvertreter – nur weil jetzt dort ein WC steht. Ist denn die Welt verrückt geworden? Gibt es denn nicht größere Probleme?
So mag der eine Denken, der andere ist vielleicht froh dass sein Problem gelöst wird.
Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich und freue mich über Ihren Besuch. Es ist für uns auch eine Ehre, dass verschiedenen Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens heute unter uns sind: WAREN ANWESEND
Frau Margarete Rohrhirsch-Schmid, Stadträtin Bgm. AD – Sozialpolitik in Augsburg in vorderster Front und auch Ihren Stadtratskollegen Herr Schumachermeister Wolfgang Kink, als Vertreter von Dr. Hummel, mit Grußwort und Grüße von OB und Dr. Hummel Frau Stadträtin Fischer.
Klaus Riehle ein besonderer Gruß als dem Behinderten-Beauftragten des Landkreises Augsburg, einem besonders in der Seniorenarbeit und Behindertenarbeit sehr engagierten „Querdenker“, der die Zusammenhänge sieht, bewertet und Lösungen erarbeitet und sich nicht wie leider mancher Politiker mit oberflächlichen Schlagworten abtut
Arno Erlei, den Behindertenbeauftragten der Stadt Augsburg, welcher versucht in der Stadt Augsburg Schritt für Schritt, Stufe für Stufe die Situation zu verbessern und der Landtagsabgeordnete und Stadtrat Bernd Kränzle.
Also Wirklich, nur wegen dem heutigen WC sind wir nicht zusammengekommen, - denn es hat eine kleine Vorgeschichte. Die Augsburger Schreiner-Innung wollte im Rahmen des Wertachbrucker-Thor-Fest gemeinsam mit den Handwerken vom Bau - nach Absprache mit dem Bauamt, dem Denkmalschutz, Heimatpfleger - hier eine für Alle öffentlich zugängliche Toilettenanlage errichten. Bereits die alten Römer und Griechen hatten öffentlich zugängliche Toiletten, die wie uns berichtet, oftmals auch Treffpunkt und Kommunikationsort waren, und wohl im Gegensatz zu mancher heutigen Toiletteanlage sauber, hygienisch, einladend waren....
Wir wollten eine wunderschöne Anlage hier an diesem Platz errichten – für Behinderte geeignet, aber nicht nur für den Behinderten. Sicherlich nicht sowie viele Behinderten WC anlagen –die verschlossen sind, wo ich den Schlüssel vielleicht beim Hausmeister abholen muß, dann noch 10 Minuten warten, und mit viel Belehrungen ich dann die Toilette verrichten kann.
Nein, ganz einfach eine entsprechend großes WC- nach den DIN Normen 18024 gebaut, dass auch ein Behinderten diese problemlos nutzen kann, dass aber Sie oder Sie genauso aufsuchen können. Darin noch einen Wickeltisch für die Mutti mit dem Kleinkind, vielleicht sogar ein Paar Windeln, ob fürs Baby oder jemand anderst, auch vielleicht im Notfall für den Erwachsenen. Auch die Möglichkeit, dass vielleicht der ältere Mensch mit seinem Rollator, mit seinem Gehwagen auch ohne Probleme dieses WC erreicht, keine Stufe, keine Schwelle.... Also ein schönes, gepflegtes, technisch ausgereiftes WC –ein schmuckes Häuschen für alle, passend zur historischen Ambiente, in bester handwerklicher Arbeit, schön und einladend.
Weit gefehlt – auf keinen Fall, zieht die Fixer und Stricher an, in wenigen Tagen ist alles demoliert, wenn dann nur aus unbrennbaren Materialien, ob wir in dieses Viertel die Asozialen anziehen wollen, wir beschädigen unseren Turm, Belästigen die Menschen .... ein Flut von Gegenargumenten, Erfahrungswerten von Fachleuten der Stadt Augsburg, von Verbänden....
Ich – wir haben die Welt nicht verstanden – haben aber (zumindest vorläufig ) die Lehre daraus gezogen. Es wird vorerst kein festes Haus errichtet !
Aber wir haben den Glauben, die Hoffnung nicht aufgegeben an eine bessere Welt: An eine Welt in dem am Beispiel eines kleines WC – der Behinderte und der Nichtbehinderte nebeneinander leben, wo der Alte Mensch genauso mit eingebunden ist und wohlfühlen kann, wo auch der Drogenabhängige nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, und vielleicht der Obdachlose auch auf die Toilette gehen kann, sich waschen oder gar rasieren kann – und wo wir auch die Möglichkeit haben, in ein sauberes, ordentliches und gepflegtes WC zu gehen. Bei Wertachbrucker-Thor-Fest, vorher und vielleicht auch in späteren Zeiten.
Daher ist dieser heutige Tag der Beginn einer Testphase – wir stellen – vorab auf Mietbasis mit Unterstützung einer Anzahl von Menschen dieses WC auf, lassen es pflegen, sauberhalten, und hoffen, dass nicht die Bedenken Wahrheit werden, sondern dass der Glaube an Gemeinsame Miteinander unsere Welt verbessert.
Nur ein kleines WC – aber es war viel Hilfe nötig. Dafür sind wir auch heute hier, auch um Danke zu sagen, der Firma Weißenhorn für die Unterstützung, gemeinsam mit der Firma Strobl dies zu sponsern, vor allem bei den städtischen Behörden – vor allem Tiefbauamt, oder sie die Töchter alle heißen Abwasserbetriebe GmbH – egal wie, Herr Haller Ihnen und all Ihren Mitarbeitern Danke für die schnelle kostengünstige Hilfe, auch dem Amt für Grünordnung, zuvorkommend, schnell, unbürokratisch, freundlich – so sind die Mitarbeiter der Stadt Augsburg. Ich danke hier auch ganz offiziell meinen Mitarbeitern, vor allem unserem Capo – Herrn Zweck der mit großem Fachwissen und Können – aber mit Unterstützung des Arbeitsamtes hier vor Ort alles handwerkliche und mehr regelt, dass das WC und der „Turm der Schreiner“ zu einem Schmuckstück der Stadt Augsburg wird. Danke auch dem Arbeitsamt für die Hilfe . Ich sage auch danke dem Chef des Biergartens an der Freibank, Herrn Sander – der sich wie selbstverständlich bereit erklärt hat, das WC und die Anlagensauber und ordentlich zu halten...
So darf ich ab sofort diese WC Anlage an Behinderte – und an Nichtbehinderte – an Alte und an Junge, an Muttis mit dem Kleinkind aber auch an SIE SIE und SIE übergeben und eröffnen. Ich danke für Ihren Besuch und Ihre Aufmerksamkeit – arbeiten wir an einer gemeinsamen guten Zukunft – die Schreiner-Innung will ihren kleinen Beitrag dazu leisten.
Von Siegfried Schmid, Organisator vom WTB Thor-Fest |